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Welche Kita stärkt mein Kind?



In diesem Artikel geht es um eine Frage, die mich selbst gerade als Mama sehr beschäftigt, nämlich, woran man eine gute Kita erkennt, die das eigene Kind innerlich stark macht und seinen Bedürfnissen gerecht wird. Diese Frage ist alles andere als leicht zu beantworten, einerseits, weil man als Elternteil erst einmal ja immer „nur" von außen beurteilen kann, wie gut eine Kita ist, und andererseits weil die meisten Kitas mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen haben, wie dem Mangel an Erzieher:innen, veraltete Räumlichkeiten oder Finanzierungsschwierigkeiten. Dennoch möchte ich dich hier an meinen Ideen teilhaben lassen, wie du für dich und dein Kind eine Entscheidung treffen kannst, die dir für die Betreuung deines Kindes ein gutes Gefühl verleiht, das an resilienzorientierten Kriterien orientiert ist; also Kriterien, die dein Kind innerlich stark machen.


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Grundsätzlich gibt es natürlich ganz verschiedene Herangehensweisen an die Auswahl der Kita: Manche setzten an oberste Stelle eher sachbezogene Schwerpunkte wie: „Ich nehme die Kita, die ich als Erstes bekommen kann“ oder „Für mich ist es wichtig, dass mein Kind einen gesicherten 45-Stunden-Platz bekommt“. Diese pragmatischen Gründe haben definitv auch ihre Berechtigung, da man grundsätztlich natürlich erstmal überhaupt eine Versorgung des Kindes während der eigenen Arbeitszeit gewährleistet haben möchte. Wenn du dann jedoch einen Schritt weiter gehen magst und versuchen möchtest die Qualität einer Kita einzuschätzen (so wie es einem von außen irgendwie möglich erscheint), dann können dir diese Tipps vielleicht weiterhelfen:


Überblick verschaffen, welche Kitas es im nahen Umfeld so gibt!

1) Verschaffe dir erstmal einen Überblick über die bestehenden Kita-Angebote in deinem Nahbereich und informiere dich darüber, welche Schwerpunkte sie im Hinblick auf das dahinterstehende Konzept setzen. Hier führst du dir beispielsweise vor Augen, ob es sich um eine städtische Einrichtung, eine Elterninitiative (hier übernimmst du als Elternteil aktiv Aufgaben in der Kita wie beispielsweise das Einkaufen oder die Pressearbeit) oder eine religiöse Einrichtung handelt, in der christliche Wertvorstellungen und die Vorbereitung von Kindermessen einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Außerdem kannst du dir auf der Seite der Kita anschauen, ob die Kita beispielsweise einen der folgenden Ansätze verfolgt:

  • Situationsansatz - das Kind darf selbstbestimmt handeln, indem es sich durch Situationen, die ihm begegnen, weiterentwickelt und eine aktive, selbständige Rolle im alltäglichen Tun einnimmt. Selbstbestimmung, Selbstständigkeit, Solidarität (Achtung, Toleranz, Frieden, Versöhnung, Verantwortung) und der Kompetenzerwerb stehen bei diesem Ansatz im Mittelpunkt

  • Waldorfpädagogik - Erzieher:innen nehmen eine Vorbildfunktion ein und sollen daher emphatisch und optimistisch sein. Die Umgebung wird für die Kinder ansprechend und harmonisch gestaltet. Eine besondere Bedeutung kommt der künstlerischen Gestaltung zu (Puppenspiele, Naturmaterial, Baumaterial) sowie der Körperbewegung (Eurythmie).

  • Montessori-Pädagogik - jedes Kind erhält innerhalb eines kindgerecht gestalteten Raumes die Möglichkeit zur Selbständigkeit und Eigeninitiative. Besonders bedeutsam ist das Montessori-Material, das auf eine eigenständige und konzentrierte Auseinandersetzung des Kindes abzielt. Der/die Erzieher:innen sind eher passiv in diesem Ansatz und handeln nach dem Leitprinzip „Hilf mir, es selbst zu tun.

  • Waldkindergarten - spielt sich überwiegend im Wald ab, also ohne Dach und Wände (manchmal gibt es aber Bauwagen, die zur Verfügung stehen). Der Wald mit all dem, was er zu bieten hat, bildet die Basis für die pädagogische Arbeit der Erzieher:innen.


Binde dein Kind in die Entscheidung mit ein

2) Binde dein Kind in die Entscheidung mit ein, auch wenn es noch so klein ist! Als ich eine Kita für meinen Sohn gesucht habe, habe ich ihn einfach zu den Gesprächen mitgenommen und danach geschaut, ob er sich in der Umgebung wohl gefühlt hat und direkt neugierig seine Umwelt erforscht hat.


Beobachte, inwiefern die Erzieher:innen versuchen von Anfang an eine Beziehung zu deinem Kind aufzubauen

3) Auch wichtig ist, wie die Erzieher:innen auf dein Kind reagieren: Freuen sich die Erzieher:innen darüber, dass du dein Kind mitgebracht hast? Sind die Erzieher:innen ihm direkt zugewandt oder ignorieren sie dein Kind, weil es ja noch nicht in der Kita angemeldet ist? Versuchen sie eine Beziehung zu deinem Kind herzustellen, zum Beispiel durch eine direkte oder liebevolle Ansprache?


Wie fühlst du dich? Verspürst du positive Emotionen?

4) Wie fühlst du dich selbst, wenn du mal alle rationalen Argumente beiseite lässt? Versprüht die Kita eine positive Energie oder eine negative? Fühlst du dich unbefangen oder irgendwie eingeengt? Spürst du Freude oder hast du das Gefühl, dass die Erzieher:innen eher genervt und überfordert sind? Woran machst du das fest?


Lass dich nicht von Äußerlichkeiten blenden!

5) Lass dich nicht von Äußerlichkeiten blenden: Eine ordentliche und sehr moderne Kita bedeutet nicht zwingend, dass sich dein Kind dort wohl fühlt. Für Kinder sind positive Emotionen und Beziehungen viel wichtiger als moderne Räumlichkeiten Auch ein alter Raum kann durchaus gemütlich sein. Toll ist es auch, wenn die Kinder selbst ihren Gruppenraum gestalten dürfen, denn das lädt zum Wohlfühlen ein.


Zeit zum Kennenlernen

6) Nimm dir Zeit für ein ausführliches Gespräch mit der Kitaleitung, denn die Führung der Kita beeinflusst maßgeblich die Stimmung im Team der Erzieher:innen und bestimmt die Motivation und Arbeitseinstellung der Mitarbeiter. Daher ist es umgekehrt auch sehr wichtig, dass sich die Kita-Leitung Zeit für dich nimmt und ohne Zeitdruck versucht deine Fragen zu beantworten, um dir ein gutes Gefühl zu geben. Da du vielleicht gar nicht richtig weißt, was du die Kitaleitung fragen könntest, habe ich dir hier ein paar Ideen und resilienzfördernde Antwortmöglichkeiten zusammengestellt, die du bei deinem Gespräch heranziehen kannst, um herauszufinden, ob die Kita dein Kind stärken würde oder eher nicht.


Fragenliste mit Antwortmöglichkeiten:
  • Was braucht dein Kind und inwiefern versucht die Kita auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes bei all den schwierigen Rahmenbedingungen einzugehen? (Zum Beispiel: Jedes Kind darf mal bei der Auswahl des Essens mitentscheiden. / Jedes Kind darf sich aussuchen, an welchem Projekt oder in welcher Spielecke es am Vormittag dabei sein möchte. / Ein Kind erhält die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können, wenn es Ruhe braucht. / Ein Kind darf auch mal in den Arm genommen werden, wenn es aktiv nach Trost sucht.)

  • Wie bereiten Sie in dieser Kita hier die Kinder auf ihr zukünftiges Leben vor, beispielsweise auf das Leben in der Grundschule? (Zum Beispiel: wir bringen den Kindern, die bald eingeschult werden, auf eine spielerische Art und Weise den Umgang mit Buchstaben und Zahlen bei sowie Englisch.)

  • Wie sorgen Sie dafür, dass die Kinder Freiräume erhalten und selbständig werden? (Zum Beispiel: Indem sich Kinder im Morgenkreis melden können, wenn sie den Tischdeckdienst übernehmen möchten oder sie selbst entscheiden dürfen, an welchem Projekt oder Angebot sie gerne teilnehmen möchten. Auch das sogenannte Freispiel ist bedeutsam, da die Kinder hier ihrer Kreativität nachgehen können und genau das tun, worauf sie Lust haben.)

  • Welche Bedeutung kommt der Natur im Kindergarten zu? (Zum Beispiel: Die Kinder sind mindestens einmal am Tag draußen, auch wenn das Wetter mal schlecht ist, die Kinder haben Naturmaterialien, mit denen sie spielen können.)

  • Wie gehen Sie damit um, wenn ein Kind eine Regel missachtet oder einen Fehler macht? (Zum Beispiel: Die Erzieher:innen richten ihr Handeln an den Wertvorstellungen der Kita aus und begegnen dem Kind auf Augenhöhe und respektvoll. Es wird nach den Ursachen des Regelverstoßes gefragt (warum hat das Kind die Regel gebrochen?) und die Regel wird in ihrer Wichtigkeit nochmal erklärt. In jedem Fall wird ein Gespräch geführt und nicht einfach eine Bestrafung eingeleitet (wie das Separieren eines Kindes aus der Gruppe oder ein Entzug von Grundbedürfnissen).

  • Wie werden die Kinder darin bestärkt ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen? (Zum Beispiel: Erzieher:innen fragen Kinder, die untereinander Streit haben, danach, was sie fühlen und sprechen gemeinsam mit den Kindern über diese Gefühle. Gerade kleine Kinder können die Gefühle des anderen Kindes selbst zumeist noch nicht erkennen und durch das Gespräch werden ihnen die Gefühle des jeweils anderen deutlich. Auf diese Weise können Erzieher:innen gemeinsam mit den Kindern eine friedvolle Lösung suchen.)

  • Welche Möglichkeiten erhalten die Kinder, um zu experimentieren und zu forschen? (Zum Beispiel: Forscherstationen zu bestimmten Themen / Lernwerkstätten / Außengelände, das zum Experimentieren mit Naturmaterialien anregt / Möglichkeiten, um zu Matschen und mit Wasser/Sand zu experimentieren / Bewegungstrainer, die neuartige Bewegungserfahrungen anregen und ermöglichen.)

  • Wie wird die kindliche Suche nach Sinn und Orientierung ermöglicht? (Zum Beispiel: Durch christlich-religiöse Botschaften und Gebete / durch Elementarwesen wie Zwerge oder Elfen / durch sinnstiftende Strukturen wie einem Morgenkreis, in dem gesungen wird und in dem eine thematische Anbindung an jahreszeitenbezogene Ereignisse stattfindet wie Frühling, Ostern; Herbst, St. Martin; Winter, Weihnachten etc.)

  • Wie wird die kindliche (Selbst-)Wahrnehmung- und Ausdrucksfähigkeit in der Kita gefördert? (Dialoge und Aushandlungsprozesse werden vorgenommen sowohl von den Kindern untereinander als auch auf der Erzieher-Kind-Ebene. Es wird ein demokratisches Miteinander gepflegt, bei dem Kinder Mitbestimmungsmöglichkeiten erhalten und ihre Bedürfnisse sowie Wünsche zum Ausdruck bringen dürfen. Zudem gibt es sprachliche Förderungen durch Bilderbuchbetrachtungen, Leseangebote, Sprachspiele usw.)

  • Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Eltern? (Fließende Übergänge durch kurze Absprachen darüber, wie es dem Kind geht, welche Bedürfnisse es haben könnte und was man ihm Gutes tun kann / Elternbeirat, der mit der Kita-Leitung auf Augenhöhe und lösungsorientiert interagiert / verschiedene Aufgaben, die von Eltern zur Stärkung der Kitagemeinschaft übernommen werden / gemeinsame Feste.)


Wenn du eine Frage dazu hast, wie du die Antworten der Kitaleitung, mit der du das Gespräch geführt hast, einschätzen sollst, dann wende dich gerne an mich und wir überlegen gemeinsam, ob die Antwort resilienzfördernd für dein Kind ist oder eher nicht.


☼ Let your family shine ☼


Deine Linda



Meine Literaturtipps zum Weiterlesen:


- Tacheles: Expertise. Pädagogische Ansätze und Handlungskonzepte. Themenheft Juni 2014.


- Prof. Maike Rönnau-Böse / Prof. Klaus Fröhlich-Gildhoff: Resilienz im Kita-Alltag: Was Kinder stark und widerstandsfähig macht. Verlag Herder, 2020.

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Herzlich Willkommen & danke fürs Vorbeischauen!

Ich bin Mama, Ehefrau, (Sozial-)Pädagogin und Lehrerin. Hier auf meinem Blog möchte ich dich mit meiner Leidenschaft für eine resilienzorientierte Erziehung anstecken. Schenke deinem Kind Liebe und lasse eure  Beziehung wunderschön und kraftvoll werden.

♡Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. (Hermann Hesse)

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